„New Work“ ist cool und hip – nur leider auch oft missverstanden

25. September 2019

Viele Klischees und sich ewig wiederholende Bilder bestimmen die Berichterstattung über „junge“ Unternehmen und denen, die sich zumindest gerne so präsentieren. Immer im Fokus: Hip gekleidete Menschen, die lässig und cool nicht nur Büros bevölkern, sondern – gerne auf Sitzsäcken sitzend – die neuesten Ideen beziehungsweise „ideas“ diskutieren. Mit „Sneakern“ an den Füßen und den lässig-geöffneten Hemdknöpfen steht man aber auch schon einmal am Kickertisch oder der Tischtennisplatte. Der Mate-Tee ist immer griffbereit, während das „Team“ über „das große Ganze“ sinniert. 

Diese scheinbar komplett neue und unkonventionelle Art zu arbeiten wird – wie passend – New Work genannt.

Auf diesen vor Jahren durch Start-Ups ins Leben gerufenen Trend springen mittlerweile zahlreiche mittelständische Unternehmen auf. Sie machen all das mit, was gerade (zugegeben etwas überspitzt) skizziert wurde. Den weit verbreiteten Irrglauben, solche Äußerlichkeiten und Ausstattungs-Accessoires könnten alleine dafür sorgen, dass sich der (Unternehmens-)Erfolg einstellt, übernehmen sie gleich mit.

Und das alles vor dem Hintergrund, dass schon jetzt, im September 2019, abzusehen ist, dass sich die aktuelle Hochkonjunkturphase ihrem Ende zuneigt und der Abschwung bereits heftig an die imaginäre Tür klopft.

Dabei kann New Work eine große Hilfe und ein wichtiger Impuls sein. Gerade für den Mittelstand. Denn richtig verstanden und ernsthaft umgesetzt ist eine neue Art des Zusammenarbeitens dringend notwendig. Denn nur eine verantwortungsvolle Unternehmenskultur, die Freiheit und Leistung vereint, kann auf Dauer zum Erfolg führen. Das ist nicht nur etwas, wovon wir bei der Werhausen AG seit nun fast drei Jahrzehnten überzeugt sind. Es gilt heute vielleicht mehr denn je. Denn die Erwartungen, die Mitarbeiter der Generationen Y und Z heute an Unternehmen haben, unterscheiden sich massiv von denen, die es in der Vergangenheit gab.

New Work ist also keine Show, sondern eine Einstellung. Besonders wichtig dabei: das Führen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn das war und ist in der Regel komplex. Und bei fast allen Unternehmen der Punkt, an dem sich Erfolg und Misserfolg entscheidet. Schon Fredmund Malik schrieb in seinem Standardwerk „Führen, Leisten, Leben“ dazu, dass „Führung ein Beruf“ sei.

Genau darum geht es.

Es ist wichtig, sich Neuem zu öffnen. Gerade als Mittelständler. Und es ist ebenfalls wichtig, zu lernen, dass Führung und Unternehmensentwicklung Kernkompetenzen sind, die erlernt werden können und müssen. Das bedeutet, dass Führungs- und Organisationsmuster ständig überprüft, hinterfragt und im Zweifelsfall auch einmal (radikal) angepasst werden müssen.

Gerade deshalb ist es naiv anzunehmen, dass Mitarbeiter sich dauerhaft an ein Unternehmen binden, dass sich über Kickertische und Obstschalen definiert. Das reicht nämlich nicht! Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben nur, wenn sie sich der Unternehmensidee – und in letzter Konsequenz auch der „Führungsperson“ beziehungsweise den „Führungspersonen“ – anschließen können.

Daher ist es wichtig, New Work als etwas zu sehen, was kein einmaliger Trend ist, sondern es als eine Bewegung zu begreifen. Als eine Art also, Unternehmen neu zu denken. Gelingt dies, kann New Work einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren der Zukunft werden.

In jedem Fall lohnt es sich, sich mit den grundlegenden Ideen von „New Work“ auseinanderzusetzen und die eigene Führung, den Unternehmenszweck, das Geschäftsmodell und die Organisationsform zu hinterfragen – und ständig zu verbessern. Nicht mehr und nicht weniger.