Krisen bei bester Konjunktur – das kann nicht passieren

14. September 2018

Das unternehmerische Umfeld ist aktuell der Treiber nicht nur für Investitionen, sondern auch für fast grenzenlosen Optimismus. „Wer jetzt nicht Geld verdient …“ ist das Credo der Stunde. Es wird im gewerblichen Bereich mit fremden Geld investiert, weil die Wirtschaftslage es ermöglicht und zusätzlich hohe Wertsteigerungen unterstellt werden.
In Folge stellen Unternehmen zwangsläufig zusätzliche Mitarbeiter ein – in einem Maße, wie es vor Jahren noch unvorstellbar war. Die Arbeitsmärkte sind „leer“, wie letztmalig nach der Wiedervereinigung. Dass diese Entwicklungen nur durch Sonderfaktoren ausgelöst wurden, ist für viele Markteilnehmer nicht mehr erkennbar.
Den Unternehmern sollte aber klar sein, dass es nicht immer so weitergehen kann, zumal Deutschland weltweit im besonderen Maße zu den Gewinnern von Fehlentwicklungen zählt. Was Finanzkrisen auslösen, wurde anhand der letzten großen Krise klar (Eurokrise, ausgelöst durch die Griechenland-Krise in 2010). Auch jetzt deuten die Zahlen darauf hin, dass es nicht unbegrenzt weitergehen wird. Deutschland ist weiterhin Ausfuhrweltmeister, muss aber in Kauf nehmen, dass die Forderungen zu großen Teilen noch nicht ausgeglichen wurden.
Klar: die Unternehmen sind nicht mehr allein in Deutschland ansässig. Das Geschäftsmodell von Großunternehmen bezieht sich auf weltweite Aktivitäten. Weltkonzerne entstehen –Verflechtungen sorgen für gegenseitige Abhängigkeiten. Aber trotzdem muss festgestellt werden, dass der Konjunkturverlauf endlich ist.
Und den Fachleuten ist klar: die Lehmann-Pleite ist immer noch nicht verdaut. Die Staaten haben für niedrigste Zinsen gesorgt, um die Staatshaushalte sanieren zu können. Abgeschlossen sind diese Entwicklungen natürlich noch nicht, aber für viele Politiker bereits vergessen. Gleichzeitig steht das Kapital auch für Spekulationen zur Verfügung. Die Staatsverschuldungen nehmen weiter zu, wie auch die Verschuldung aus Investitionen. Wenn das Konstrukt kippt, kippen sowohl die Konjunktur als auch die Personalmärkte in eine kritische Richtung.
Wann und wie sich die nächste(n) Krise(n) entwickeln werden, ist auch den Fachleuten nicht klar. Klar ist nur, dass sie kommen. Und es wird nicht nur die Spekulanten treffen, sondern auch die Realwirtschaft, weil sie von der Konjunktur abhängig ist. Nur bei entsprechendem Klima wird investiert. Wird nicht mehr investiert, kommt es zu einer – mehr oder weniger starken – Anpassung auf der Auftragsseite. Was noch hinzukommt: die Personalkostenseite ist aufgrund der langen Aufschwungphase so stark angestiegen, dass die die Anpassungen nur über Freisetzungen von Personal aufgefangen werden können. Und das wird passieren. Für viele Unternehmer dann vermutlich auch ein Segen, weil vielen nicht mehr klar ist, wie sie noch an qualifizierte Mitarbeiter kommen können.

Wie auch immer: ähnlich einem alten Werbespruch gilt: die nächste Krise kommt bestimmt.
Sorgen Sie vor.