Vom Spagat zwischen ständiger Erneuerung und dem Aufbau belastbarer Strukturen

27. Januar 2020

Anfang des Jahres war mit Tarek Müller eine spannende Persönlichkeit im Podcast „Handelsblatt Disrupt“ zu Gast. Er wurde vom stellvertretenden Handelsblatt- Chefredakteur Thomas Tuma zu den verschiedensten Themen interviewt. Und Müller hatte so Einiges zu berichten. Denn trotz seines jungen Alters kann der gebürtige Hamburger eine extrem spannende Vita vorweisen: Bereits als 13-Jähriger verdiente er beispielsweise sein erstes eigenes Geld mit Google-Werbung. Die Bankschecks, die daraufhin aus Dublin eintrafen, brachte er als Schuljunge zum Einzahlen zur Bank. Die riet ihm dann mit 15, ein Gewerbe anzumelden, während er bereits dabei war, diverse Webshops aufzubauen. Mit 18 folgte dann eine unangenehme Bauchlandung – die ihm auf einen Schlag 150.000 Euro Schulden einbrachte. Mittlerweile muss sich der 31-jährige Mitgründer und CEO der Mode-Versandhändlers „ABOUT YOU“ um das Thema Geld allerdings deutlich weniger Sorgen machen. Denn sein Unternehmen setzt laut HB-Online aktuell mit 2.200 Mitarbeitern in zehn Ländern rund 750 Millionen Euro um. Ganz nebenbei schuf Müller mit dem Online-Shop das erste „Einhorn“ seiner Heimatstadt. Von diesen Unternehmen, die eine Marktbewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar haben, gibt es weltweit aktuell weniger als 300.

Im Podcast beschreibt Müller auf sehr nahbare Weise eine der großen Herausforderungen vieler Unternehmerinnen und Unternehmer: Den Spagat zwischen ständiger Anpassung an neue Trend, Rahmenbedingungen und digitale Möglichkeiten – die teilweise sogar das eigene Geschäftsmodell bedrohen – auf der einen Seite. Und dem Etablieren von Strukturen und Prozessen auf der anderen. Diese wiederum sind extrem wichtig, da sie dafür sorgen, dass ein Unternehmen keine „fixe Idee“ bleibt, sondern überhaupt erst lange und profitabel bestehen kann.

Man könnte es zugespitzt auch als das Ringen von konservativ und alt mit progressiv und jung nennen.

 

Viele Aufgaben auf wenigen Schultern

Einer der Hauptgründe, warum es so schwer ist, diesen Spagat dauerhaft auszuhalten ist so einfach wie banal: Zeit. Denn ganz egal, ob ein neues Unternehmen entsteht oder ein bestehendes fortgeführt wird. Die wenigen entscheidenden Personen, die es tatsächlich prägen, könne sich nicht um „alles“ kümmern. Zu der extrem hohen Arbeitsbelastung kommen in der Regel weitere Faktoren hinzu, die das Ganze noch einmal verkomplizieren. Denn gerade eine Neugründung, eine Unternehmensübernahme oder der Antritt einer Nachfolge geht immer auch mit einem hohen persönlichen Risiko einher. Zum einen ein finanzielles, zum anderen ein gesellschaftliche, nämlich die des Scheiterns.

Mitunter bedroht diese Gefahr das Unternehmen auch dann, wenn es eigentlich gut aufgestellt ist – und seine „Hausaufgaben“ vermeintlich gemacht hat. Sie rühren her von neuen Trends, technische Innovationen oder schlicht von agressiven Wettbewerbern.

 

Mitarbeiter: unterschiedliche Charaktere sind extrem wichtig

Ein weiterer extrem wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Offene und mehrheitlich sehr junge Kolleginnen und Kollegen sind diejenigen, die neue Trends setzen beziehungsweise sie früh für das eigene Unternehmen erkennen und adaptieren. Sie sorgen dafür, dass eine Organisation „am Puls der Zeit“ ist und verhindern, dass sie alt und starr wird. Im Podcast wurde das besonders deutlich, als Müller beschrieb, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich ständig in einem Transformationsprozess befinden. Denn dass, so Müller, was vor ein, zwei Jahren noch richtig war, muss heute mitunter wieder von Bord geworfen werden, da es überholt ist.

 

Auf der anderen Seite muss es in jedem Unternehmen diejenigen Mitarbeiter geben, die für Struktur und Abläufe zuständig sind. Sie unterscheiden sich oft deutlich von den „jungen Wilden“, sind tendenziell älter und erfahrener. Diese eher „Konservativen“ sehen mehr „das große Ganze“ und wägen Entscheidungen vor dem Hintergrund der Folgen ab, die zu erwarten sind.

Die Kombination beider Gruppen ist gerade in schnelllebigen und technikgetriebenen Zeiten wie unseren eine der wichtigsten Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg.

Studien belegen: Ein interdisziplinäres Team verhilft dem Unternehmen zu Wachstum. (Foto: Silvia Kriens) Studien belegen: Ein interdisziplinäres Team verhilft dem Unternehmen zu Wachstum. (Foto: Silvia Kriens)


Werhausen Gruppe mit neuem Digitalunternehmen

Als Werhausen Gruppe haben wir das bereits vor vielen Jahren erkannt. Und deshalb geht 2020 ein eigenes Unternehmen an den Start, das sich auf die Themen New Work und Digitalisierung fokussieren wird. Es wird sich dabei mit den positiven Aspekten des stetigen Wandels beschäftigen. Und es wird anderen Unternehmen dabei helfen, diesen Weg ebenfalls erfolgreich zu gehen.

 

Seien Sie also gespannt!

In jedem Fall wünschen wir Ihnen, dass Sie mit Spaß am Unternehmertum in die neuen 20er-Jahre starten. Nehmen Sie die Herausforderungen an, die auf Sie warten – aber vergessen sie dabei nicht Ihre Neugier, die Leichtigkeit und den Optimismus!