Die Löwen sind los – aber ist das alles?

Zwischen Startup-Hype und „echtem“ Unternehmertum

4. September 2019

Am Abend des 3. September war es wieder soweit. Die neue – und mittlerweile sechste – Staffel der Erfolgsserie „Die Höhle der Löwen“ startete zur besten Sendezeit. Dort entscheidet eine illustre Jury aus Experten darüber, wer ein guter Unternehmer ist und wer nicht.

Bereits 19-Jährige präsentieren hier ihre Erfindungen, mit denen sie die Welt revolutionieren wollen. Wie Rubin Lind aus Hamm. Der Stadt also, in der auch die Werhausen AG gegründet wurde. Mit seiner Lern-App „Skills4School“ will er den Schulalltag zukünftiger Generationen besser machen. Ganz nebenbei können sich Interessierte schon jetzt an seiner (kommenden) Erfolgsgeschichte beteiligen. Kostenpunkt: 700.000 Euro für 14 Prozent der Unternehmensanteile.

Das alles ist grundsätzlich eine gute Sache. Denn anders als sonst wird hier dem VOX-Zuschauer einmal ein Einblick in die Welt von Tüftlern, Erfindern und – ja – Unternehmern gewährt.

 

Der Privatsender und das Unternehmerbild

Dass das Thema „Unternehmertum“ hier zur besten Sendezeit präsentiert wird, kann man also durchweg begrüßen. Doch wirft man einmal einen genaueren Blick auf die Sendung und die Botschaft, die immer wieder zwischen den Zeilen mitschwingt, könnte man an der ein oder anderen Stelle stutzig werden. Denn anders als beim mittelständischen Unternehmer geht es hier nicht um regulatorische Probleme, um das steigende Lohniveau oder die Überlegung, ob und wann sich die Anschaffung einer neuen Maschine lohnt. Stattdessen ist die Jury um den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer immer auf der Suche nach dem nächsten „großen Ding“. Sei es die eine neue App, das neue Super-Food oder die Lösung für alle Mobilitätsprobleme. Die extrem emotionale „Verpackung“ der Sendung mit schnellen Schnitten und entsprechender Musik kommt ebenfalls noch hinzu. Hier gibt es weder Nachtschichten noch ein Abwägen mit kühlem Kopf. Stattdessen wird gepokert und geschachert.

Und überhaupt: Reicht es, ein neues Food-Konzept zu erstellen und eine App zu programmieren (die häufig einfach der digitale Oberbau für ein analoges Geschäft ist), das Ganze emotional zu verpacken und schon fliegen einem vermeintlich die (Millionen-)Investitionen zu?

Reichen Ideen oder Visionen über potentielle Marktanteile wirklich aus, um ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen aufzubauen?

 

Was ist mein Unternehmen wert?

Spätestens an dieser Stelle holt die Realität die (jungen) Gründer oftmals ein. Und auch in der „Wirklichkeit“ reichen Ideen selten aus, um zu ermitteln, was ein Unternehmen wert ist. Denn wenn ein Nachfolger gesucht wird oder eine Firma verkauft werden soll, ist ebenfalls häufig entscheidend, was sie aus Sicht des Verkäufers und / oder aus Sicht des potentiellen Käufers wert ist. Und auch wenn „einfach nur“ Investitionskapital aufgenommen werden soll, um weiter wachsen zu können, kommt stets die Frage nach dem „Wert“ auf.

Doch egal, um welchen Fall es konkret geht. Fernab der (glitzernden) Startup-Welt werden Unternehmenswerte noch immer eher konservativer bemessen und bilden sich aus am Ertragswert, dem strategischer Wert und dem Reifegrad eines Unternehmens, also der Frage, ob das Unternehmen ohne die operative Mitarbeit des Unternehmers überhaupt überleben kann.

 

Werte aufbauen – und an Wert gewinnen

Und genau aus diesen Gründen sind gerade mittelständische Unternehmen gut beraten, frühzeitig Werte zu schaffen. Neben qualitativen auch materielle. Konkret: Gewinne aufbauen und ausweisen – und dafür Steuern zahlen. Denn somit lässt sich dokumentieren, dass tatsächlich ein Unternehmenswert vorhanden ist. Außerdem wichtig: Investieren und ein Team aufbauen, das es einem potentiellen Käufer erst ermöglicht, ein Unternehmen, ohne das Risiko zu übernehmen, es ohne den „Kopf“ fortführen zu müssen.

Denn klar ist doch: Natürlich träumt jeder von einem vermeintlich einfachen Ausstieg über einen gut finanzierte Unternehmensverkauf. Doch in der Realität werden die Werte des Unternehmens meistens in den letzten Jahren vor Übergabe zerstört, da fehlende Investitionsbereitschaft und ein zu langer – da nicht selten unprofessionell organisierter – Nachfolgeprozess die Ressourcen vernichtet.

 

Wie Sie das verhindern können und worauf Sie bei Verkauf und Nachfolgeregelungen achten sollten, erfahren Sie hier.