Vorstand Nicole Werhausen im Interview zum Thema "Unternehmensnachfolge"

9. Januar 2020

Der dritte und letzte Teil unserer Interviewserie geht es um ganz persönliche Erfahrungen und den richtigen Umgang zwischen den Generationen.

 

Frau Werhausen, Sie sind selbst in zweiter Generation im Vorstand der Werhausen AG tätig. Das Unternehmen wurde von Ihrem Vater gegründet. Daher kennen Sie den Blickwinkel der „Übernehmenden“. Wie haben Sie diesen Prozess erlebt?

Ich war zu Beginn meines Arbeitslebens nicht im Unternehmen tätig und wusste lange Jahre gar nicht wirklich, was mein Vater hier jeden Tag so tut. Und das war im Nachhinein genau richtig. Denn auf diese Weise habe ich nie Druck oder die Pflicht verspürt, im Unternehmen aktiv werden zu müssen oder es gar zu übernehmen. Nachdem ich BWL mit Vertiefung Maschinenbau an der RWTH Aachen studiert hatte, habe ich daher zunächst einmal bei einem Konzern angefangen. Erst danach habe ich mich mit der Arbeit meines Vaters auseinandergesetzt. Das geschah ganz automatisch und immer dann, wenn ich ihn um Rat bei beruflichen Entscheidungen und Herausforderungen gefragt habe. Irgendwann kam dann von mir aus die Frage auf, ob ich nicht bei der Werhausen AG anfangen könnte. Denn ich wollte einfach mehr bewegen und mehr Freiheiten haben. Als die Entscheidung dann stand, habe ich erst einmal drei Jahre lang als angestellte Unternehmensentwicklerin für die Werhausen AG gearbeitet. Erst danach wurde ich in den Vorstand berufen. Im Jahr 2019 sind wir dann den letzten Schritt gegangen und ich bin nun alleiniger Vorstand. Parallel ist mein Vater als Vorsitzender in den Aufsichtsrat gewechselt.

Gibt es aus Ihrer Sicht den richtigen Zeitpunkt, das eigene Unternehmen zu übergeben?

Ein Unternehmer oder eine Unternehmerin sollte früher anfangen, sich mit dem Gedanken der Übergabe zu beschäftigen, als ihm oder ihr wahrscheinlich lieb ist. Ich empfehle eigentlich immer, damit mit Mitte 50 zu beginnen. Denn zehn Jahre später, also mit Mitte 60, hat der Betrieb häufig schon massiv an Substanz verloren. Der Grund dafür ist simpel. Oftmals wird nicht mehr richtig investiert, wenn unklar ist, wie und ob es weitergeht. Was viele außerdem vergessen: Vom Zeitpunkt, des ersten Nachdenkens bis zum Finden des richtigen Kandidaten oder der richtigen Kandidatin, vergehen schnell zwei oder mehr Jahre. Sich dann mit ihm oder ihr zu einigen, nimmt ebenfalls noch einmal Zeit in Anspruch.

Ist es von Vorteil, dass Ihr Vater weiterhin mit im Unternehmen tätig ist und Sie bei Fragen auf ihn zugehen können?

Für mich persönlich ist es sehr von Vorteil auf sein Wissen und seine Erfahrung zurückgreifen zu können. Allerdings haben wir von Anfang an eine klare Abmachung gehabt. In der Firma sind wir nicht Vater und Tochter, sondern Wolfgang und Nicole. Das klingt einfach. In der Realität muss man sich dieses Standing aber erarbeiten. Denn mein Vater hätte sich sicherlich nicht in den Aufsichtsrat zurückgezogen, wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, dass ich der Verantwortung gewachsen bin. Außerdem macht ihm der Job nach wie vor viel zu viel Spaß, um komplett auszusteigen. Irgendwann muss man die Junioren aber ihr Ding machen lassen – und so ist es auch hier. Und in genau diesem Prozess begleiten wir die Unternehmen, die uns beauftragen und die wir als Werhausen AG entwickeln. Das wir diesen Prozess „von innen“ kennen und ihn selbst erlebt haben, hilft natürlich sehr. Daher kann ich behaupten, dass wir solche Szenarien und darin auftretende, schwierige Phasen, in der Regel besser verstehen, als jemand, der das alles noch nicht durchlebt hat.