Stadtentwicklung vs. Wirtschaftsfoerderung warum sich Städte schwer tun

Stadtentwicklung ist nicht in erster Linie Flächenentwicklung, also der Bau von Straßen und anderen strukturellen Einrichtungen. Städte dienen als Standort nur den Menschen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Vorrangig muss es also darum gehen, für den Wohlstand der Einwohner zu sorgen. Und in Zeiten der zunehmenden Überalterung muss es gelingen, junge Menschen für den Zuzug in eine Stadt zu bewegen. Das machen diese allerdings nur, wenn sie die für sich optimalen Lebensbedingungen vorfinden. Und dazu braucht es einen Zugang zum (attraktiven) Einkommen. Erst in Folge entstehen „blühende Landschaften“, wie Politiker es gerne sehen. Da aber alle Politiker diese Sichtweisen haben, entsteht ein z.T. skurriler Wettbewerb.

Der zentrale Denkfehler an dieser Stelle ist, dass die Aufgabenstellung der Wirtschaftsfoerderung viel zu häufig als verwaltende Aufgabenstellung angesehen wird. Flächenvermarktung soll dann den Zuzug von Unternehmen auslösen. Das mag auch in vielen Fällen gelingen. Allerdings sollte dann auf den Arbeitsstellen-Mix geachtet werden. Denn schließlich leben in einer Stadt Menschen mit unterschiedlichen Potenzialen und Ansprüchen. An dieser Stelle fehlt es aber an Wissenslösungen, sofern eine Stadt keine besonderen Vorteile hat. Diese entstehen häufig nur durch Großunternehmen, welche dann zu einem Netzwerk von Zulieferern in ihrer Nähe führen. Sind derartige Großunternehmen nicht vorhanden, bleibt nur noch eine Flächenvermarktung an Unternehmen, welche nicht selten aus eher uninteressanten Branchen kommen und einfache Arbeitsplätze anbieten, wie es z.B. die Logistik macht. In Folge wird dann die zentrale Aufgabenstellung der Wirtschaftsfoerderung eher eine sozialpolitische Herausforderung: Arbeitsplätze um jeden Preis, den dann die zukünftigen Generationen zahlen müssen.

Die Wirtschaftsfoerderung muss sich fragen, wie auf die Herausforderungen der Zukunft reagiert werden kann. Wenn die Neuansiedlung von Einfacharbeitsplätzen mittelbar zur Verarmung beiträgt oder im besten Fall die Abwanderung von Potenzialen beschleunigt, dann kann die Lösung nur in einer Bestandsförderung liegen. Hier fehlt es aber an Wissen und der Entschlossenheit: Wissen auf Seiten der Verantwortlichen und Entschlossenheit auf Seiten der Politiker. Denn der Ruf nach aktivem Handeln, wenn wieder einmal ein größeres Unternehmen aufgibt oder einfach nur Arbeitsplätze verlagert werden, ist nichts anderes als Aktionismus. Was nicht verstanden wird: in diesen Fällen sind nicht die Wirtschaftsfoerderer die Schuldigen, sondern diejenigen, die deren Handeln akzeptieren.

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