Unternehmenskultur: die Welt unter dem Radar

Immer, wenn in (Groß-)Unternehmen massive Fehlentwicklungen aufgedeckt werden, spielt die ach so gepriesene – und gern mit hohem finanziellen Aufwand herausgeputzte Unternehmenskultur eine nicht unerhebliche Rolle. Dieses wirkt intern wie ein kollektiver Schutzschirm gegen die Wahrnehmung von Fehlentwicklungen – und nicht selten von illegalen Handlungen. Gerade Großunternehmen setzen so einen Teil der generierten Gewinne ein, um Belegschaften einzulullen (überhöhte Gehälter). Es kann nicht sein, dass das Unternehmen schlecht ist. Die gemeinsame Kultur, die intern wie extern kommuniziert wird, wird zu gern geglaubt. Zu gern möchte man dabei sein. Ein tolles Unternehmen hat tolle Mitarbeiter. Und Kritiker, welche von außen Fehlentwicklungen thematisieren, werden kollektiv als Neider identifiziert.

Was ist also dran am Thema Unternehmenskultur? Natürlich hat jedes gute Unternehmen fast immer auch eine gute Kultur, weil die Kultur ein Spiegel für die Selbstwahrnehmung einer Organisation ist. Wenn diese dann über gezielte Maßnahmen auf der Organisationsebene verändert werden soll, ist immer Vorsicht geboten. Die Wirklichkeit wird zu schnell ausgeblendet. Alle sollen plötzlich über ein Wir-Gefühl an das bessere Unternehmen glauben. Erfolge werden erhöht. Und für den Rest wird von höchster Stelle Besserung gelobt. Und wenn es nicht gelingt, kommt halt ein neuer Führer. Das Rad dreht sich immer weiter.
Unternehmen sind gut beraten, die Ursachen-Wirkungszusammenhänge besser zu durchdenken, bevor in einer Krise die Kulturverbesserungsaktivitäten eingekauft werden. Und klar ist doch auch: ganze Mitarbeiterschaften können so nicht geblendet werden. Im Innern ist doch weiterhin klar, dass nur eine glänzende Tarnkappe aufgezogen wird. Allerdings wirkt diese durchaus auf den Personalmarkt. Derartige Unternehmen verschaffen sich sehr wohl eine bessere Startposition im Kampf um attraktive Mitarbeiter. Allerdings lassen sich auf Dauer die wirklich guten Mitarbeiter so nicht halten.
Und das Wichtigste: ein schlechtes Unternehmen wird nicht besser. Wer das glaubt, verschläft wertvolle Entwicklungszeit. Denn die wirklich besseren Unternehmen machen alles, um wirklich besser zu werden. Und nur darum geht es. Unternehmen brachen keine Verbesserungen im Detail – sie brachen eine Entwicklung des Systems durch Schaffung eines besseren Ganzen.

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