Systemik: Haben Sie einen Masterplan?

Der Begriff Masterplan kommt aus der Stadtplanung und war zeitweise die zentrale Aussage für unternehmerische Visionen. Er war im Munde vieler Unternehmer und Manager, wurde allerdings immer mehr durch neue Wortschöpfungen abgelöst. Wer heute zu seiner Bank geht, um diese zu überzeugen, ein neues Geschäft zu finanzieren, spricht einfach nur von Businessplan. Dafür gibt es keine Norm – ähnlich wie beim ursprünglichen Masterplan und somit bleibt ein erheblicher Interpretationsspielraum für den Planersteller, um Maßnahmen mit Zahlen zu verbinden.

Die in der Praxis vorherrschenden Pläne haben eher den Charakter eines erklärenden Zahlengerüstes. Wenn der Empfänger eine Bank ist, ist das auch nachvollziehbar. Diese Teile der Pläne sind für Menschen, die sich gern an Zahlen ausrichten. Um den Plan zu prüfen, wird daher versucht, die Planungsteile (Rentabilität, Liquidität, Planbilanz und persönliche Eindrücke) rein auf Plausibilität zu prüfen. Eine logische Verprobung mit Strategien und Maßnahmen erfolgt dabei nur selten.

In der Krise werden andere Anforderungen gestellt. Die zunehmend geforderten Sanierungspläne nach IDW S6-Standard fordern eine umfängliche Darlegung der Situation und eine Verknüpfung mit der Zukunft auf Basis einer begründeten Wettbewerbsstrategie. In diesem Sinne sind derartige Sanierungspläne die umfänglichste Form von Masterplänen. Derartige Pläne sind zeitaufwändig und damit kostenintensiv. Das macht bereits deutlich, warum derartige Pläne eher selten erstellt werden.

Wenn angestellte Manager sich auf die Erstellung eines derartigen Masterplanes einlassen, gehen sie das Risiko ein, an den Fehlentwicklungen, welche immer eintreten, zu scheitern, sofern die Gesellschafterebene diese falsch interpretiert. Unternehmer tun sich mit einem Masterplan ebenfalls schwer, nicht zuletzt, weil es am erforderlichen Wissen fehlt. Es braucht eben nicht nur eine „Vision“, welche grob die Richtung vorgibt. Richtig durchdacht sind Visionen ja nur zu Ende gedachte Strategien. Derartige Pläne, sauber durchdacht und für die Mitarbeiter dokumentiert, schaffen die erforderlichen Referenzen auf dem Weg in die erfolgreiche Zukunft. Großunternehmen sollten diese Pläne haben wie auch andere große Organisationen wie z.B. Städte. Leider endet es dort fast immer in einem flächenbezogenen Entwicklungsplan. Masterpläne brauchen Architekten, welche die Komplexität durchschauen und in einen Gesamtplan einbringen können. Wer nur Teilkonzepte bestellt, wird immer auch nur Teillösungen erhalten.

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