Der Niedergang eines Traditionscafe

Es ist schon ungewöhnlich, dass selbst Traditionscafe`s ihre Erfolgsbasis verlieren, wenn Inhaber nicht mehr tätig sind oder sich selbst nicht mehr darum kümmern. In einem Cafe in einer deutschen Großstadt ist dieses schnell zu erkennen. Das Cafe ist Platzhirsch und immer noch eine Anlaufstelle für Einheimische und Touristen. Das Angebot ist umfangreich. Ob Frühstück, Snacks oder das Kuchenbuffet: alles ist im Angebot.

Die Spuren des Niederganges

Aber der aufmerksame Beobachter sieht schon die Spuren des Niederganges. Es beginnt damit, dass vor der Öffnung hinter den großen Scheiben sich etwas Ungewöhnliches abspielt. Eine junge Servicekraft ist offensichtlich im Café die entscheidende Mitarbeiterin. Sie ist sehr präsent, wenn es um die Einteilung der Mitarbeiter geht. Und sie wird beachtet: offensichtlich hat sie die Macht über das Team. Die pünktlich versammelten Besucher können dann von außen erkennen, wie sie sich ihrer Macht bewusst ist. Obwohl sie die Blicke der wartenden Besucher wahrnimmt, zündet sie sich vor dem Kuchenbuffet, also in der direkte Nähe der Kuchenauslage noch eine Zigarette an und genießt die Ruhe vor dem Besucherandrang. Und sie genießt auch die interne Position: ein Blick in die Runde macht das deutlich. Und nachdem sie den Zigarettenrauch mit einer Handbewegung verteilt hat, gibt sie das Signal für die Öffnung.

Ein Unternehmen wird übernommen, nicht seine Werte

Wie kann es sein, dass Kunden warten müssen und dann noch das Rauchverbot bewusst von Mitarbeitern umgangen wird? Vermutlich sind die Inhaber nicht mehr im Geschäft tätig, wie es bei Traditionscafe`s vorkommt, wenn kein Nachfolger gefunden wird. Oder gehört die neue Chefin zum Kreis der Nachfolger? Es wäre nicht auszuschließen, dass zwar ein kleines Unternehmen übernommen wird, aber nicht die Werte, die den Erfolg ausmachen.

Das Warenangebot tritt eher in den Hintergrund

Wie in vielen Städten erkennbar, sterben mit dem Rückzug der Inhaber diese Angebote langsam aus. Und wenn Inhaber selbst nicht mehr in ihrem „Revier“ stehen, dann beginnt der Niedergang, der irgendwann nicht mehr aufzuhalten ist. Das Geld und die Kraft für dringend notwendige Renovierungen fehlen dann, wie auch in dem besuchten Cafe abzulesen ist. Stammbesucher stören sich weniger daran – es fehlt an Alternativen. Wenn aber die Qualitäten deutlich abnehmen, werden auch sie sich dort treffen, wo die Jüngeren hingehen. Und die bevorzugen lieber Treffpunkte. Das Warenangebot tritt dabei eher in den Hintergrund.

Der Kunde muss eine gute Leistung bekommen

Es wird so sein, dass irgendwann auch das Cafe geschlossen wird. Die Chance, das Geschäftsmodell mit einer motivierten Mannschaft in die Zukunft zu bringen wird vertan. So verständlich es ist, dass Inhaber sich irgendwann zurückziehen wollen und vielleicht auch müssen: die Verantwortung für das, was der Kunde bezahlt, muss aber dazu führen, dass Kunden bis zum Ende eine gute Leistung bekommen. Und dazu gehört auch eine Servicetruppe, die noch versteht, was Kunden erwarten.

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