Unternehmensnachfolge: was läuft eigentlich (fast immer) schief?

Wenn Unternehmen zwischen Dritten übertragen werden, ist es zwar nicht einfach, aber die Abwicklung erfolgt nach klaren Regeln. Käufer und Verkäufer einigen sich auf einen Preis. Spezialisten begleiten die Abwicklung. Wenn richtig gearbeitet wird, läuft alles gut. Wenn im Rahmen der Unternehmensnachfolge Unternehmen oder Anteile innerhalb der Familie oder an Mitarbeiter übertragen werden, läuft leider vieles schief. Wie kann es sein, zumal die Beteiligten sich kennen und auch das Geschäftsmodell und die konkrete Arbeitswelt dem Übernehmenden bekannt sind?

Es läuft dann falsch, wenn den Übergebenden nicht klar ist, wann Werte überhaupt vorhanden sind und/oder beim Übernehmenden aufgrund der Nähe zum Vorgänger hohes Vertrauen vorherrscht. Dann passieren leider zu häufig Fehler auf fast allen Ebenen. Der Übertragende ist natürlich auf sein Lebenswerk stolz und schätzt den Wert bzw. die Substanz viel zu hoch ein. Bei der Übertragung wird dann der volle Preis nicht gezahlt. Beraterhonorare, viel zu hohe Mieten, Nießbrauch und nicht selten hohe versteckte Entnahmen gehen dann laufend in die Kosten. Der Übergebende kann weiterhin gut leben. Der Übernehmende zahlt (sofort) keinen angemessenen Kaufpreis.
Die Bank hat nicht selten einen zusätzlichen Sicherheitengeber, weil der Übergebende noch weiterhin persönlich Bürgschaften stellt. Evtl. wird auch noch mit Bürgschaften gearbeitet. Das Ganze ist nicht selten eine Sanierung von Krediten in einer Phase, wo die unternehmerische Schaffenskraft nachlässt, wichtige Mitarbeiter in Erkenntnis der Entwicklung bereits gegangen sind und ein Investitionsstau in den Bilanzen abzulesen ist. Liquiditätsprobleme werden mit neuen Krediten beseitigt. Und in dieser Phase will sich natürlich kein Altunternehmer eingestehen, dass das Unternehmen kaum noch einen Wert hat. Es müsste dann erst saniert werden. Aber das macht ja der Nachfolger. Die Berater des Altunternehmer decken die Risiken nicht auf, weil sonst Beratungsleistungen kritisch hinterfragt werden.
Es gilt dann das Prinzip Hoffnung. Der Jungunternehmer kann es nicht erkennen – er glaubt daran, dass er mit seiner Kraft „den Laden wieder flott bekommt“. Da er häufig nur Risiken zeichnet, nimmt er die Gesamtsituation nicht richtig wahr. Und dann gilt natürlich das Vertrauen darauf, dass die Übertragung fair abläuft, zumal niemand bewusst schädigen will. Auch hier gilt es, Denkfehler zu erkennen. Wenn das die Betroffenen nicht können, liegt eine besondere Verantwortung bei der begleitenden Fachleuten. Aber Ethik kommt hier viel zu selten ins Spiel. Denn schließlich muss doch gerade ein zukünftiger Unternehmer wissen, wie Geschäfte gemacht werden. Dass aber auch dieses erst gelernt werden muss, sollte allen Begleitern klar sein.

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