In der Krise wird’s eng – oder: in schwierigen Zeiten ist guter Rat selten

Natürlich kennt jeder Unternehmer die Phasen, wo es nicht richtig läuft. Und es gibt durchaus Situationen, wo Unternehmer nicht mehr weiterwissen. Nicht nur gefühlt wird es kritisch. Und wenn dann professioneller Rat gesucht wird, ist guter Rat nicht nur selten, sondern immer auch teuer, wenn Spezialisten benötigt werden.

Aber der Reihe nach. Krisen sind natürlich ablesbar. Die Buchhaltung gibt Hinweise, und wenn Unternehmer das nicht wahrnehmen wollen, ist die Liquidität und/oder die nicht bezahlten Rechnungen der Indikator dafür, dass es so nicht mehr weitergehen darf. Aber wie immer im Leben: die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Unternehmer machen dann weiter. Hoffnung, vermeintliches Wissen und die Appelle an die Belegschaft ergeben eine brisante Mischung. Die roten Linien, welche durch die Rechtsprechung gezogen sind, werden fast immer überschritten.

Wenn es am Ende dann trotzdem gut geht, wird der Unternehmer für sich in Anspruch nehmen, richtig gehandelt zu haben. Allerdings muss es nicht gut gehen. Kluge Unternehmer nehmen Beratungen in Anspruch. Der Steuerberater, i.d.R. langjähriger Vertrauter und die Hausbank geben Hinweise. Und im Falle der Bank kommt häufig das Signal, dass man nicht mehr weiter „begleiten“ will. Spätestens dann werden verantwortliche Unternehmer immer auch rechtlichen Rat in Anspruch nehmen. Und er wird spätestens dann auch offen sein für die externen Bewertungen und Empfehlungen.

Fast immer wird dann – was zunächst auch richtig ist – die Frage der Zahlungsfähigkeit aufgeworfen. Wenn dann die Verbindlichkeiten nicht innerhalb weniger Wochen gezahlt werden können, gilt die Zahlungsunfähigkeit als „festgestellt“. Die Folge: es wird über die Insolvenzantragspflicht aufgeklärt. Soweit eigentlich alles klar?

Wenn dann (zu schnell) entsprechend gehandelt wird, wird auch von den begleitenden Beratern Wesentliches übersehen. Vor der Feststellung der Zahlungsunfähigkeit ist zunächst die Zukunftsprognose zu stellen. Und wenn diese positiv ausfällt, gilt das Zeitfenster von 3 Wochen für die Insolvenzantragspflicht nicht. Der Zeitraum kann bis zu 6 Monaten ausgedehnt werden, sofern die Zukunftsprognose nachvollziehbar ist. Das Problem ist hierbei nicht die juristische Bewertung, sondern das fehlende Wissen über die Entwicklung der Zukunftsfähigkeit, üblicherweise mit Geschäftskonzept umschrieben. Das zu entwickeln, scheint für große Teile der Beraterschaft nicht machbar zu sein.

Wer die Zusammenhänge zwischen Krisen, Ursachen und Lösungen kennt versteht, dass vermutlich ein größerer Teil der Unternehmensinsolvenzen vermeidbar ist. Und wenn Unternehmer nach einer Insolvenz nicht selten auch noch das private Vermögen verloren haben, müssen sie sich fragen, wer das eigentlich verschuldet hat.

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