Wenn Unternehmer ihr Unternehmen aufgeben

Von der christlichen Seefahrt können Unternehmer viel lernen. Die Gefahren auf See erfordern klare Regeln. Eine dieser Regeln betrifft die Verantwortung des Kapitäns: er geht immer als letzter von Bord. Diese Regel ist für Alle eigentlich nachvollziehbar. Geht der Kapitän, fehlt die Führung. Die Mannschaft kommt – zumindest in schwerer See, in große Gefahr. Diese Regel muss auch für Unternehmer gelten. Es geht zwar nicht um Leib und Leben. Allerdings sind die Existenzen von Mitarbeitern gefährdet. Die Praxis zeigt, dass in Unternehmen nicht selten das Motto gilt: rette sich wer kann. Es gilt dann, keine zusätzlichen finanziellen Risiken mehr einzugehen, wenn keine Perspektive mehr da ist. Aber was ist dann mit den Mitarbeitern? Diese überblicken die Situation nicht. Sie sind häufig bereits so lange im Unternehmen, dass sie faktisch an das Unternehmen gebunden sind. Sie haben einfach verlernt, sich neu zu orientieren. Und wenn erst kritische Altersgrenzen überschritten sind, geht das Risiko direkt auch auf die Angehörigen über. Schulden müssen bedient werden, Kinder brauchen noch Unterstützung und die Altersversorgung muss vielleicht noch aufgebaut werden. Firmenzusammenbrüche sind nicht grundsätzlich zu verhindern. Und natürlich ist nachvollziehbar, wenn Unternehmer in ausweglosen Situationen „vom toten Gaul absteigen“. Aber ist die Situation wirklich immer so ausweglos? Für die Neuaufstellung ist es nie zu früh – und selten zu spät. Das ist so, weil z.B. Banken und Lieferanten mit im Boot sitzen und ebenfalls kein Interesse haben, die Gelder komplett abzuschreiben. Der Gesetzgeber hat mit dem ESUG bereits eine rechtlich saubere Basis für die Sanierung geschaffen. Und auch Mitarbeiter sind in der Krise durchaus bereit, einen Teil zur Sanierung beizutragen. Allerdings darf das nicht missbraucht werden. Erst muss der Kapitän seine Pflicht tun – erst dann sind alle anderen dran. Denn wenn Unternehmer nachvollziehbar das leisten, was von ihnen verlangt werden kann, dann helfen alle mit das Schiff wieder flott zu machen.

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