Handwerker, Juristen und Großunternehmen

Der Kunde will sein Bad renovieren und bestellt auf Basis eines schriftlichen Angebotes. Das Angebot ist aus Sicht des Handwerkers folgerichtig aufgebaut – der Kunde kann das nur bedingt lesen, weil Abkürzungen, die verwendet werden, dem Handwerker etwas sagen, dem Kunden naturgemäß nichts. Er hat im Vorfeld mit diesem eine Ausstellung besucht, Kataloge und Skizzen erhalten. Nachdem das Angebot erteilt wurde, stellt der Handwerker fest, dass er seine festen Subunternehmer nicht bekommt. Er optimiert und nimmt die „2. Garde“. Diese produzieren leider Schlechtleistungen. Hinzu kommt, dass auch im Einkauf optimiert wurde und nicht die bemusterten Lösungen geliefert wurden, sondern preiswertere Ersatzprodukte. Irgendwann reicht es dem Kunden, indem er den Handwerker verpflichtet nachzubessern. Auf die Rechnung wird dann, weil der Handwerker auch seine Dienstleister und Löhne bezahlen muss, mehr als 90 % bezahlt, zumal der Handwerker verspricht, alles in Ordnung zu bringen. Offensichtlich reicht das Geld dem Handwerker dann und er weigert sich später Schlechtleistungen anzuerkennen. Der Kunde geht zum Juristen mit der Bitte kritisch zu prüfen, weil er nicht unbedingt einen Rechtstreit führen will. Der Jurist erkennt bereits anhand von Bildern, dass „offensichtlich“ Schlechtleistungen vorliegen, zumal eine Rechtschutzversicherung besteht. Der Kunde stimmt der Zahlungsverweigerung zu. Der Handwerker will seine Restzahlung und klagt. Vor Gericht erscheint dann ein neuer Kollege des Rechtsanwaltes, völlig unvorbereitet. Der Kunde selbst versucht zu retten, was zu retten ist und argumentiert als juristischer Laie. Der Rechtsanwalt bleibt völlig stumm. Es kommt wie es kommen muss: die Richterin bestellt einen Sachverständigen. Beim Ortstermin kommt wiederum eine neue Beteiligte ins Spiel: eine junge Assessorin, die weder den Fall kennt noch etwas dokumentiert. Wenigstens findet sie das Haus „hübsch“. In Folge entscheidet dann die Richterin anhand des Gutachtens, was nachvollziehbar ist. Allerdings stellt sich dann in Abstimmung mit dem Fachanwalt für Baurecht heraus, dass es angeblich kaum Normen gibt, an denen Schlechtleistungen festzumachen sind. Auf die Frage, warum dann überhaupt der Rechtstreit geführt werden sollte, gibt er keine klaren Antworten (… vor Gericht und auf hoher See …). Das Ergebnis: die Richterin erkennt z.T. Schlechtleistungen. Auf die Frage an den Rechtsanwalt, ob denn aufgrund der bereits erkannten Schlechtleistungen zu Beginn die Revision Sinn macht, wird ausgeführt, dass man dafür „nicht zur Verfügung stehe“. Der Kunde möge sich doch dann an ein anderes Anwaltsbüro wenden. Der Handwerker bekommt nach Abzug seiner Kosten kein Geld. Der Kunde zahlt nichts, weil es eine Rechtschutzversicherung gibt. Den verbleibenden Teil der Restforderung überweist er. Schlechtleistungen sind in einer arbeitsteiligen Welt vorprogrammiert. Allerdings sind Unternehmer/Selbständige/Mitarbeiter aufgefordert, diese zu erkennen und abzustellen. Es gibt allerdings Marktkonstellationen, welche dazu verführen, Werte über Bord zu schmeißen. Nicht nur bei (einzelnen) Handwerkern und Rechtsanwälten, sondern auch wie aktuell bekannt, bei einem Großunternehmen (VW). Klar wird allerdings auch: Schlechtleistungen können nicht dauerhaft erbracht werden. Dann bestraft der Markt diese Praktiken.

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