Führung: wer führt wirklich?

Chef sein erfordert Führung. Aber ist derjenige, der führt, immer auch der Chef? Wenn im Unternehmen Grundsatzentscheidungen gefällt werden, gehen alle davon aus, dass der Chef das so beschlossen hat oder diese Entscheidung mit der Unternehmensleitung abgestimmt ist. In managementgeführten Unternehmen sollte das i.d.R. auch so sein, wobei die Einflussnahme von Gesellschaftern oder Banken nicht zu unterschätzen ist. In inhabergeführten Unternehmen ist das aber nicht die Regel. Da das Hauptaugenmerk auf der Mitarbeiterführung liegt, werden Richtungsentscheidungen eher seltener getroffen. Und dann spricht nicht selten noch die Familie mit. Einflussnahmen von leitenden Mitarbeitern ist ebenfalls Praxis. Das ist solange kein Problem, wie der Inhaber seine Entscheidung verproben möchte, sich also im internen Kreis berät. Schwierig wird es, wenn Einflussnahmen aus Bereichen stattfinden, die den Betrieb nicht kennen und dann persönliche Interessen überwiegen. Ganz kritisch wird es, wenn Machtinteressen vorliegen, und Chefs benutzt werden, um diese Interessen durchzusetzen. Undenkbar oder eher selten? Schließlich ist der Chef doch häufig auch wirtschaftlich am stärkste betroffen und hat die Erfahrung, als Kapitän sein Schiff auch durch schwierige Gewässer zu bringen. Er wird nicht dumm sein. Aber in der Praxis ist das leider häufiger der Fall. Gerade Familienmitglieder nehme gern Einfluss. Die familiären Bande führen dazu, dass auf den familieninternen Mahner gern gehört wird. Sicherheitsbedenken müssen natürlich wahrgenommen werden. Allerdings ist die Zukunft nur erfolgreich zu meistern, indem der Kurs regelmäßig in Frage gestellt wird. Nur selten ist es möglich, das ursprüngliche Geschäftsmodell beizubehalten. Die Veränderung ist Normalität. Unternehmer sollten sich dieser Verantwortung bewusst sein. Für Mitarbeiter ist diese Einflussnahme häufig nicht zu erklären, weil der informelle Führer zwar gespürt, aber nicht erkannt wird. Unternehmen brachen vor allem eine strategische Führung. Und diese Rolle kann selten von einer Gruppe übernommen werden. Zu schnell kommt es aus persönlicher Rücksichtnahme zu Kompromissen. Die entscheidenden Schritte werden nicht oder zu spät gegangen. Die Ratgeber sind klug, wenn sie das beherzigen. Strategische Fragen sind komplexer Natur und sind keinesfalls „mal eben“ zu beantworten. Der Beste Ratgeber ist der, der kluge Fragen stellt, aber mit Antworten sehr vorsichtig sein.

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