Denkfehler: Berater, Coaches & Co

Die Komplexität erschafft viele neue Berufe und Handlungsfelder, in denen Menschen versuchen, Geld und/oder Einfluss zu gewinnen. Zweifellos gehört dazu die Branche der (Unternehmens-)berater, die letztlich immer nur Dienstleister waren. Unternehmen brauchen Lösungen von außen, um sich mit dem erforderlichem Wissen zu versorgen. Gleich ob es um eine Teilleistung wie bessere Buchhaltung oder Beratungsleistungen wie z.B. Rechtsfragen geht: Wenn der andere ein Profi ist, ist das immer auch gut angelegtes Geld. Wie mir bereits vor 30 Jahren ein Kunde gesagt hat: Gute Beratung kann nicht teuer genug sein.

Aber die Komplexität von Unternehmen und Lebensumständen schafft auch die Rolle des Ratgebers – gern als Coaching umschrieben. Anders als bei den klassischen Beratungsleistungen, wo die Aufgabenstellung klar ist und der Kunde auch die Leistung bewerten kann, handelt es sich hier um ein Handlungsfeld, wo Ziele, Ursachen und Wirkungen nicht immer klar sind. Und dann schlägt die Stunde der „weichen Faktoren“. Wenn nicht klar ist, was das Problem ist, ist es immer ein Einfallstor für einen Beratertypus, der die Ursachen entweder dilettantisch oder nach eigenen Vorstellungen erklärt.

Unternehmer und Privatpersonen lieben nicht selten derartige Vorgehensweisen, da die Ursachen „einfach“ erklärt werden. Und dann werden auch die Lösungen „einfach“. Fast immer ergeht der Rat, sich vom Problem zu lösen und Wege einzuschlagen, die möglichst einfach sind. Den Beratern/Coaches ist dieses in vielen Fällen noch nicht einmal bewusst – sie handeln somit auch nicht ethisch verwerflich, weil dazu ja Vorsatz bestehen muss. Sie wissen es einfach nur nicht besser.

Die Verantwortung liegt nicht bei den Kunden

Allerdings sollte jedem Dienstleister/Berater/Coach bewusst sein, dass in der Beratung die Verantwortung für eine saubere Zielklärung beim Dienstleister liegt. Es ist eben nicht richtig, diese Verantwortung dem Kunden zuzuschreiben. Die Zukunft wird weitere Handlungsfelder für derartige Dilettanten bereitstellen. Jeder ist klug beraten, wenn er sich zu Beginn einer Beratung nicht nur Referenzen geben lässt. Es geht vielmehr darum, zu verstehen, wie der Dienstleister arbeitet – und wofür er bereit ist, Verantwortung zu geben. Denn das bedeutet, Antworten auf neue Fragen zu geben. Und die Qualität der Beratung ergibt sich dann aus der Erklärung, wie denn bitteschön das Neue auch umzusetzen ist.

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